FamilienNatur

Nachhaltigkeit und Armut

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Ich hatte in meinem Leben bisher oft kein bzw. wenig Geld. Es gab aber auch Phasen, da war mehr als genug am Ende der Monate übrig. In allen Phasen habe ich meine Art von Nachhaltigkeit gelebt. Und weil bei vielen Leuten das Geld DAS Argument ist, um zur Wegwerf-Ware statt zum Weltretter-Produkt zu greifen, möchte ich euch heute meine Ideen mit auf den Weg geben, wie man eine positive und lebenswerte Welt von morgen auch mit wenigen Geldressourcen realisieren kann.

„Nee, also, so viel Geld für ein paar Schuhe gebe ich nicht aus, bei aller Liebe! Davon kann ich mich ja einmal komplett einkleiden.“

Die meisten Leute, wenn ich über den Preis nachhaltiger Kleidung rede.

Vorweg möchte ich euch berichten, dass Menschen mit mehr Geld auch tendenziell ein negativeres ökologisches Verhalten zeigen. (wenn ich nur wüsste, wo ich diese wertvolle Übersicht gesehen habe!) Beispiele: Wer das Geld hat, fliegt eher in den Urlaub statt irgendwo in die Nähe zu fahren. Wer nicht darauf achten muss, isst mehr Fleisch, auch wenn es der Gesundheit und dem Klima gar nicht gut tut. Wohlhabendere Menschen haben auch mehr Elektronik im Haus, für die die Energie gewonnen werden muss, von Produktion, Wartung und Entsorgung der Hardware mal ganz zu schweigen. Und so weiter.

Wer arm ist, kann all das nicht ohne weiteres tun.

Astrid Lindgren schrieb bei Pünktchen und Anton sinngemäß: „über Geld redet man nur in armen Familien. Wer genug Geld hat, redet nicht darüber“. Das Buch habe ich als Kind gelesen, der Satz blieb hängen. Denn es stimmt. In den Jahren, ich denen ich Vollzeit arbeiten ging und nur mich selbst versorgen musste, konnte ich mein Geld ausgeben, wofür ich wollte und habe es auf dem Kontostand nicht wirklich gemerkt. Es war schließlich immer genug da, also nicht der Rede wert. Ein paar Sommerschuhe für 100€, weil die super natürlich, gesundheitsfördernd und nachhaltig sind? Ja, probier ich mal aus.

Diese Freiheit hatte ich als Kind nicht. Damals wusste ich: beim Einkaufen brauche ich nicht zu fragen, ob ich was haben kann. Die Antwort ist: „Wir haben kein Geld“. Und wir hatten wirklich kein Geld. Aber dennoch war Brot da und was zum drauflegen. Mittagessen gab’s in der Schule, Süßigkeiten bei Oma 😉 Als Kind kannte ich es nicht anders und es hat mir nichts gefehlt. Spielzeug hatte ich gebraucht bekommen oder von Erbstücken. Auch hier war es meine Oma, die mal was Neues dazu brachte, mir neue Sachen oder Schuhe kaufte.

So hart das für meine Mama gewesen sein muss, in meinem Erwachsenenleben bin ich dafür wirklich dankbar. Es ist für mich völlig in Ordnung, stur nach Einkaufsliste zu kaufen und an den Kramkisten, Plastiksachen oder Süßigkeitenregalen vorbei zu gehen, wenn ich nicht gerade was Spezielles suche. Bis ich etwas neu anschaffe, überlege ich mir 3x, ob ich das wirklich und jetzt brauche. Aus Sicht der Kaufentscheidungen lebe ich also schon 27 Jahre minimalistisch.

Fassen wir also zusammen: als Kind gab es quasi nichts, und wenn dann war es nur in Geburtstags-Glücksfallen mal was wirklich neues. Nein, die neuen Sachen waren natürlich nicht auf ökologischen Wert gecheckt. Es gab das, was bezahlbar war und langlebig aussah. Aber es war in der Zahl so wenig, dass mein ökologischer Fußabdruck sehr gering sein muss.

Als junge Erwachsene war ich mit fertigem Studium und alleinstehend gut gestellt. In der Zeit war ich es zwar ebenso gewohnt, meine Käufe zu hinterfragen, aber neue Vollholzmöbel oder wertige Küchengeräte waren kein Problem. Ich hab mir in dieser Zeit ein gutes gebrauchtes Auto zugelegt und konnte verschiedenen Organisationen spenden. Bio-Lebensmittel und -Kleidung waren mein Standard. Mein ökologischer Fußabdruck war ziemlich gut, aber natürlich höher als in meiner Kindheit. Gut, dafür waren aber auch mehr Türen offen.

Heute bin ich Mama und arbeite weniger. Dadurch ist doppelt weniger Geld da. Kurz: wir leben mit Bürgergeld Zuschüssen. Und ich merke nun als Erwachsene, dass es nicht schön ist, auf jeden Euro achten zu müssen, ja, jede Autofahrt zu hinterfragen. Ökologisch ist das Klasse. Was ich nicht ausgebe, muss nicht hergestellt, gepflegt oder entsorgt werden. Aber dazu gezwungen werden ist nicht schön, es engt mich ein und nimmt mir die Möglichkeiten.

Und natürlich kommt mit dieser Enge auch die Frage auf: Soll ich jetzt wieder die günstigsten Schuhe kaufen?

Meine sture Weltretter-Antwort ist und bleibt: Nein! Ich liebe diese Schuhe, sie unterstützen einen gesunden natürlichen Gang. Ich trage sie seit 4 Jahren im Sommer durchgehend, und ich weiß, das Unternehmen gibt sein Bestes, die Welt mit mir zusammen zu retten. 100€ : 4 Jahre sind übrigens auch nur so viel Geld, wie ich für Billigschuhe ausgegeben hätte, die aufgrund schlechter Verarbeitung nicht mehr als ein Jahr halten. Von den ökologischen Auswirkungen vor und nach dem Tragen mal ganz zu schweigen.

Das neue Paar links, der Zustand nach 4 Jahren inklusive durchs Meer gehen mit Schuhen, Brombeersträuchern und Reparatur rechts.

Gut und schön, aber wo bleiben jetzt die guten Ideen für ein nachhaltiges Leben mit wenig Geld?

Ein paar habe ich ja schon genannt. Aber bevor ich euch eine Liste mit meinen Nachhaltigkeitsideen gebe, möchte ich noch eines ganz deutlich anmerken:
Sich für jeden Euro (vor anderen Personen oder Ämtern) rechtfertigen zu müssen, ist nichts, was man gerne tut. Es ist auch ein wenig würdevolles Gefühl, jeden Ebay-Verkauf dem Jobcemter in den Rachen zu werfen, obwohl das Geld geradeso im richtigen Moment ein kaputtes Irgendwas ersetzen konnte.
Es ist schöner, selbst zu entscheiden, dass man mit einem besseren Fußabdruck oder einfach etwas weniger Geld leben möchte, z.b. um Arbeitszeit zu sparen.

Was auch immer euch also zu diesem Beitrag gebracht hat, meine Ideen für ein nahchhaltigeres, das heißt gesünderes und langlebigeres, glücklicheres Leben basieren auf vier Grundpfeilern.

  1. Minimalismus ist meine Nummer eins. Oder vielleicht nennen wir es auch Genügsamkeit. Der minimalistische Grundgedanke muss allerdings auf der eigenen Motivation beruhen, das hab ich ja weiter oben schon angemerkt. Aus Zwang geht es nicht mit Freude und Füllegefühl; aus Zwang wirkt es eher wie eine Mangelerscheinung. Wenn ihr euch aber aus eigenen Stücken dazu enscheidet, Mehr durch weniger zu haben, dann sortiert aus, was das Zeug hält und verkauft oder besser verschenkt es. Dazu gibt es viele inspirierende Blogs und Bücher und Filme, die einem danach nie wieder so richtig aus dem Kopf gehen. Wenn ihr weniger habt, muss weniger geputzt, geordnet oder benutzt werden. Das erleichtert den Alltag wirklich und immer mehr, je mehr ihr loslasst. Es sind die Dinge, um die ihr euch nicht mehr zusätzlich zum Alltag kümmern müsst. Das, was ihr aussortiert habt, könnt ihr noch weiter verkaufen. Das gibt wieder ein paar Euro in die Notfallkasse. Oder ihr verschenkt diese Dinge. Es ist ein so erhabenes, schönes Gefühl, anderen ohne Gegenleistung etwas, was sie gern hätten, von euch geben zu können. Und dann: Freut euch über die Dinge, die ihr habt. Eure Lieblingsbücher, eure Familie, euren Garten, eure Gesundheit, eure Träume. Freude ist ein toller Energiespender im Alltag, mit dem sich viel mehr aushalten lässt als mit Angst und Ärger.
  2. Weltretter bleiben. Auch wenn ihr mit weniger (Geld oder Zeug) lebt, müssen doch immer mal wieder neue Sachen her. Wenn ich etwas neu kaufe, möchte ich, dass es einen so positiven Fußabdruck hat wie nur möglich. Das heißt, bei wirklich wichtigen Neuanschaffungen nehme ich mehr Geld in die Hand als man von „Armen HartzIV Kindern“ erwarten würde. Denn dieses Produkt ist dann voraussichtlich langlebiger und mit weniger schlimmen Auswirkungen für die Natur oder diejenigen, die es produziert haben, hergestellt wurden. Auf lange Sicht, ist das günstiger, darüber haben wir hier schon berichtet.
    Das andere Extrem ist, in den vollen Sparmodus zu gehen. Dabei schaue ich nach guten gebrauchten Dingen, frage in meinem Bekanntenkreis nach, ob sowas vielleicht ungenutzt zuhause liegt, oder ich versuche, Dinge selbst herzustellen – möglichst zum Nulltarif mit dem einzigen Kostenfaktor Zeit. Das kann ich zum Beispiel, in dem ich gutes Essen selbst produziere (siehen nächsten Punkt) oder schöne Kleidungsstücke aus Stoffresten gestalte (alte Bettwäsche soll sich dafür gut eignen, hab ich gehört).
  3. Mein Garten ist natürlich ein wahnsinnig wichtiger Begleiter, um durch geldarme Zeiten zu kommen. Was wäre ich ohne meinen Garten?!! Und was hätte er mir als Kind schon geben können, wenn ich mehr Zeit mit garten- und kinderbegeisterten Menschen verbracht hätte?
    Also los: Gemüse, Obst und Kräuter selbst anbauen! Wenn ihr keinen Garten habt, nehmt die Fensterbank, den Blumentopf oder fragt bei Besitzern verwilderter Grundstücke nach ob ihr sie bewirtschaften dürft. Ihr könnt auch Obst wild sammeln (bitte vorher nachfragen!) und es dann zu Marmeladen, Fruchtleder oder was nicht alles verarbeiten. Wenn ihr einen Garten habt, könnt ihr einen eigenen Kompost anlegen. Das bedeutet weniger Biomüllkosten und mehr Ehrfurcht vor den Kreisläufen der Natur. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit dem Nutzgarten oder der wilden Natur besseres und viel günstigeres Essen zu bekommen! Aber für mich ist das noch nicht alles: Für mich ist der Garten auch ein Seelenort! Er hält mich, wenn es mir schlecht geht, er nimmt mich einfach so hin, wie ich bin und verzeiht Fehler, auch wenn er mir die Konsequenzen klar zeigt. Er schult meinen Blick für das Unerwartete und mit meiner kleinen Eidechse werd ich auch immer daran erinnert, innezuhalten und durchzuatmen. Das ist, was man in sorgenvollen Zeiten wie denen der Armut braucht!
  4. Und zuletzt in dieser Liste soll es noch um Menschen gehen. Die kann man nämlich um Hilfe bitten. Manchmal auch um Rat. Und in dem Moment, wo man für diese Menschen ein offenes Ohr hat, kann man auch auf deren Unterstützung hoffen. Das mag im ersten Moment berechnend klingen, so ist es aber nicht gemeint. Ohne meine Menschen wäre ich nichts und käme nirgendwo hin. Denn wir alle brauchen den Austausch mit anderen. Auch die Corona-Jahre haben daran nichts geändert. Wir brauchen uns gegenseitig so sehr wie schon immer. Es ist nur noch weniger selbstverständlich geworden.

Ich hoffe, es sind ein paar Gedanken dabei, die euch weiterbringen!

In Liebe
eure Helena ♥

3 Antworten zu „Nachhaltigkeit und Armut“

  1. Liebe Helena, danke dafür, dass Du all denen Mut machst, die sich in ähnlicher Lebenssituation („Bürgergeld“) befinden wie Du. Das ist wirklich toll und viele brauchen ein wenig von dem Rat, den Du geben kannst.

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    1. Avatar von nenasonnenschein
      nenasonnenschein

      Danke liebe Barbara für diese schönen Worte! Es berührt mich, wenn es bei anderen auch tatsächlich ankommt und etwas bewegt. Dafür erzähle ich meine Geschichten!
      Alles liebe, Helena

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  2. […] Nachhaltigkeit und Armut – Reichtum finden trotz finanzieller Engpässe […]

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