FamilienNatur

Eine Waldgeschichte

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Es war einmal, vor schon einiger Zeit, etwa um diese Jahreszeit, ein Junge, der bald Geburtstag haben sollte. Er hatte drei Schwestern und war der Jüngste. Seine Eltern stritten leider oft miteinander oder mit den Schwestern. Auch die Großeltern wollten ihren Standpunkt vertreten und so kam es besonders an Feiertagen oft zu Streit mit knallenden Türen. Umso mehr war seine Mutter, die ihn wirklich sehr liebte, weil sie sich doch in all den Jahren immer einen Jungen gewünscht hatte, bemüht, ihm mit den wenigen Mitteln, die sie hatte, einen schönen Tag zu schenken.

Wie es der Zufall so wollte, war im Wald nebenan ein ganz besonderer Platz. Die Kinder, die bald in die Schule kamen, kannten diesen Platz. Nur eine Nacht im Jahr, kurz vor Schulbeginn, fand man dort den Schultütenbaum und alle Fast-Schulkinder wandelten mit ihren Eltern und den großen Leuten aus dem Kindergarten dort hin.

Doch dort gab es nicht nur den sagenumwobenen Schultütenbaum, sondern einen ganzen Spielplatz. Aber nicht irgendeinen, es war ein ganz besonderer Platz! Es gab dort keine Rutschen, kein Klettergerüst und auch keine Schaukel, und trotzdem liebten alle diesen Ort.

Denn stattdessen gab es dort von den großen Leuten gebaute Mobiliės, ein Tipi, einen echten Bauwagen zum Mittagsschlaf machen, Instrumente, Bäume und ganz viele Pflanzen und Tiere zum entdecken. Alles war angenehm unscheinbar umzäunt, so das kleine und große Menschkinder dort sicher spielen konnten. Dort verbrachte jede Kindergarten-Gruppe jede Woche einen ganzen Tag. An den Wochenenden, Ferien oder Abenden war dieser Ort aber frei für alle anderen und das war das Beste daran!

Also beschlossen die Mutter und eine der Schwestern, dass dort sein Ehrentag gefeiert werden sollte. Der Junge war gern im Wald zum Klettern und spielen, aber dennoch war die mittlere Schwester skeptisch, ob man auf diese Art so gut einen Geburtstag feiern könnte. Alle könnten sich langweilen. Oder, und das befürchteten fast alle ein wenig, es würde wieder Streit geben an einem Ort, den man nicht einfach so oder alleine verlassen kann.

Und dann kam der Tag.

Alle – Mutter, Vater, die drei Schwestern, Oma und Opa und natürlich das Geburtstagskind – gingen gemeinsam durch den Wald. Der Junge war begeistert, weil er den Weg wählen und leiten durfte. Fröhlich erzählte er nebenbei, was er wo mit seinen Freunden schon im Wald erlebt hat. Einiges hätten die Eltern sicher lieber nicht gehört 😉

Ihr müsst wissen, der Junge hatte den Schultütenbaum bereits kennengelernt. Er ging schon das zweite Jahr zur Schule. Er kannte sich aus im Wald und liebte es, mit der mittleren Schwester dort zu sein, auch wenn sie meist wenig Zeit hatte.

Als sie am Ort des Geschehens angekommen waren, setzten sie sich alle gemeinsam an die kleinen Tische und Bänke und aßen Geburtstagskuchen, Kekse und Obst. Dazu Tee aus der Thermoskanne. Das gemeinsame Essen am Tisch reichte für gewöhnlich aus, um eine angespannte Stimmung zu entfachen, weil irgendwer von den Kindern nicht tat, was die großen Leute wollten.

Doch dieses Mal war es anders.

Stattdessen gingen danach einige gut gelaunt Stöcker suchen, um zu schnitzen. Andere besahen sich die Bäume und schauten, wer von den Großen wohl dort noch rauf käme. Das Tipi wurde bespielt und auch die Klänge des Instruments wurden ausgiebig getestet. Die Stimmung war ausgelassen bis ruhig. Es gab keinen Streit. Dort, wo sonst welcher entstanden wäre, war immer dieser kleine Funken Vernunft, gute Laune oder ruhigen Gemüts da, der es verhinderte.

Hörst du das? Das ist der Klang der Gelassenheit.

Am Ende waren diese acht ständig streitenden Menschen über fünf Stunden friedlich beieinander und hatten einen schönen Tag verbracht. Gemeinsam wurde aufgeräumt, aufgegessen, eingesammelt und sie gingen einen schönen Weg zurück. Die Vögel zwitscherten dabei ihr Abendlied.

Und das, was an diesem Tag passierte, war nicht etwa ein glücklicher Zufall. Es war die Wirkung der Natur. Die Farbe grün beruhigt uns, die Bäume versorgen uns mit Sauerstoff, die Vögel singen beschwingte Lieder, Nadelbäume stärken unser Immunsystem, Naturräume wecken unser Interesse und die Lust, uns auszuprobieren. Alles in der Natur – wissend und achtsam angewandt – dient uns Menschen.

Wir müssen es nur sehen und nutzen.

In Liebe, eure Helena 💙

2 Antworten zu „Eine Waldgeschichte“

  1. Avatar von nenasonnenschein
    nenasonnenschein

    die Bilder sind von der jüngsten Schwester. Danke dafür :

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  2. Eine wunderschöne Geschichte, Helena. Top

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