FamilienNatur

Beltaine – Tanz in den Mai

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Teil 5 der Jahreskreisreihe.

Und damit überschreiten wir die erste Hälfte. Heute geht es zum Gegenstück vom Beginn Samhain. Was paradox ist, da es zu Samhain um das Loslassen geht und zu Bealtaine alles neu beginnt. Zumindest im Außen.

Bealtaine (die Iren sprechen es Bealtaina, im deutschsprachigen Raum sagen die meisten Beltain) ist das, was wir hier als Maifest oder Tanz in den Mai vom 30.April bis zum 2.Mai zelebrieren. Mancherorts brennen sogar die Maifeuer, was den alten keltischen Bräuchen sehr nahe kommt. Dort war es neben Samhain im November das zweitgrößte Fest im Jahr und von ungeheurer Bedeutung: das Leben geht wieder nach außen, es beginnt die helle Zeit und all das, was im letzten halben Jahr vorbereitet wurde, wird nun in die Tat umgesetzt. Es findet seinen Weg in die Welt, nachdem es lange im Inneren gebrodelt hat.

Die Wechsel von Dunkelheit zu Licht, Innen und Außen, Plänen und Taten machen die Bealtaine Zeit aus.

Blicken wir doch mal zurück:

Von November bis Februar ist es sowieso unglaublich dunkel in unseren Breitengraden. Und die Zeit von Samhain bis Bealtaine wird als dunkle Zeit beschrieben. Als die Zeit, in der innen was passiert, unsichtbar und leise, aber kraftvoll. Von Januar bis sagen wir März ist man voller Vorsätze und Vorbereitungsgeist. „Alles neu, alles anders. Diesmal schaff ichs!“ Im April geht es dann schon ins Tun, aber einiges muss eben erst reifen, bevor es funktioniert. Im April wird also auch eher vorbereitet, nur eben schon konkreter, praktischer.

Was meine ich eigentlich mit vorbereitet? Was soll ich denn vorbereiten?

Ich schrieb einmal: Zu Samhain wird Altes losgelassen, zu Bealtaine Neues geboren.
Wenn etwas geboren werden will, kommt vorher die Zeit der Schwangerschaft, der Vorbereitung. Von subtil und winzig klein bis unübersehbar und kurz vor dem allesentscheidenden Moment: der Geburt. Und diese Geburt, das ist Bealtaine.
Dabei geht es nicht (unbedingt) um tatsächliche Geburten, sondern um das ganz persönliche Jahresthema. Bei mir ist es dieses Jahr die Arbeit: Vom völligen Loslassen, über vorsichtige Ideen, hin zu konkreteren Ideen bis hin zur Generalprobe und dem finalen Start genau der Arbeit, die ich machen will.

Das kleine Pflänzchen war vorher nur ein kleines Samenkorn im Dunkeln, nicht mehr als eine Idee, ein Wunsch. Es hat alle Kraft verwendet, um zu wachsen und kann nun sichtbar seiner Bestimmung nachgehen.

Auch der Garten bietet ein gutes Bild für den ewigen Wechsel von Innenkehr, Vorbereitung, Taten folgen lassen und Ernten. Im April wurde viel vorbereitet, Jungpflanzen werden gepflegt, Beete gelockert. Im Mai geht es raus ans Tageslicht, aus kleinen Pflänzchen werden stattliche Pflanzen mit Blüten und Früchten.

Schau selbst nach: Was ist in deinem Leben, dass grade so richtig Fahrt aufnimmt wie das Unkraut in den Beeten, das eben noch winzig klein war und nach nur zwei Wimpernschlägen alles andere bald überwuchert? Was nimmt jetzt so richtig viel Platz ein und stellt anderes vielleicht sogar ein wenig in den Schatten?


Nun, die Vorbereitungszeit ist mit Bealtaine zuende. Jetzt geht es raus! Das kann bedeuten Raus in die Welt. Raus in die Natur. Die wird ja ab jetzt immer einladender, wärmer, heller. Aber auch hier wieder allgemein gesprochen: Es ist diese männliche, kraftvolle Energie, die einen jetzt ins Handeln bringt. Die den Weg, der die Hälfte der Zeit vorbereitet wurde, jetzt in die Tat umsetzt. (ich rede hier übrigens vom männlichen, rationalen, handelnen Prinzip, das im Gegensatz zum weiblichen, emotional geführten, kreativen Prinzip steht, nicht von Männern. Jeder Mensch trägt beide Anteile in sich).

Darum ist Bealtaine ein Fest der Lebendigkeit. Die Lebenskräfte sind ansteigend, festen Schrittes losgehend. So können Heldenreisen beginnen. Es ist auch die Zeit der Blüten: Das was in mir bewegt wurde, erblüht nun, alles ist schön, betörend, duftend. Auch so könnte man es beschreiben.

Darum beinhaltet das Fest zu dieser Zeit klassischerweise Hexentanz, ekstatische Tänze, Magie und Erotik und vor allem Sinnlichkeit. Es ist ein Fruchtbarkeitsfest mit allen Sinnen. Man kann und sollte in dieser Zeit, in der die Natur einen so sehr dazu einläd, das Gefühl der Liebe (erneut) aufleben lassen.

Dazu ist Mut notwendig.

Vorwärtsbewegen und wachsen passiert nicht von selbst. Es braucht viel Kraft und Mut, alle Energie zu bündeln um aus einem kleinen (Ideen-) Samenkorn eine echte Frucht wachsen zu lassen. Diese Frucht ist nämlich vielleicht nicht, was andere von einem erwarten. Man muss nach Außen gehen, während man auf seine innere Stimme hört und seinen Ideen ganz praktisch nachgeht. Man muss das Außen beachten, ohne von der Fülle überwältigt zu werden. Man muss seine Mitte finden.

Man muss klar bleiben und schon jetzt an die Ernte im Herbst denken, an den Vorrat im Winter. Aber vor allem sollte man jetzt, zu genau dieser Zeit, bis die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht, die wachsende Fülle betrachten und tief in sein Herz lassen. Es sollte sich mit den Dingen füllen, die es leuchten lassen.

In Liebe,
Eure Helena ♥

2 Antworten zu „Beltaine – Tanz in den Mai“

  1. Ich habe eben eine Spinne in meine Hand genommen und sie aus einer misslichen Lage befreit!!!

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  2. […] hab ich erkannt, dass all meine früheren Erfahrungen tatsächlich mit der Zeit zusammenpassen. Zu Bealtaine ist alles von innen nach außen gegangen, was an Herzensthemen da war. Nun ist es notwendig, noch […]

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