FamilienNatur

Stirb und Werde

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Über all die Dinge, die beim Gärtnern schiefgehen können. Ob das nur Anfängern wie uns passiert, wage ich – zumindest bei einigen Punkten – zu bezweifeln. Antippen zum Aufklappen und mehr lesen.

Erfrieren

Mein Klassiker ist schon seit einigen Jahren das Erfrieren. „Ach, so kalt wird es doch nicht mehr“ war oft das Credo. Mittlerweile bin ich vorsichtiger geworden, stelle alles Wärmeliebende abends zurück ins Gewächshaus. Trotzdem kommt auch mal ein unerwarteter Frost. Und dieses Jahr musste ich lernen, dass auch das Gewächshaus zu kalt sein kann, wenn die kleinen Keimlinge eigentlich aus wärmeren Gefilden kommen (siehe Bild). Ich bin in den Märzwochen darum dazu übergegangen, diese Pflanzen doppelt zu schützen: sie stehen im Gewächshaus nochmal zusätzlich abgedeckt.

Das wollten mal Physalis werden. Es waren so viele! 2 hätte ich nur gebraucht..
Engagierte Mitmenschen
Gestorben wegen zu engagieren Gießens auf die Blätter und folgendem Frost in der Nacht.

Wenn man in einem Garten mit mehreren Leuten gärtnert, liegt es nahe, dass man das Gießen des anderen mit übernimmt. Ist ja auch eine nette Sache und hilft manchmal sehr. Was allerdings nicht hilft, ist, mit der großen Gießkanne jeden Tag ein wenig (statt einmal richtig schön nass) über die kleinen Pflanzen-Babys zu schrubben. Besonders Tomaten hassen Wasser auf den Blättern und können davon schnell eingehen.

Sturm

Die Wetterlagen werden immer extremer, das wissen wir Draußenmenschen schon. Und doch unterschätzt man vor allem den Sturm gerne. Der fegt unbarmherzig überall lang, wo man ihn nicht stoppt oder zu sehr zu stoppen versucht (dann entstehen nämlich ggf. Wirbel, die nur unwesentlich schwächer sind. Besser ist es, den Wind zu brechen z.B. durch durchlässige Hecken).

Hier war die gesamte Voranzucht vom Februar drin. Alles kaputt!

Hier hilft langfristig wohl nur eine gute Raumplanung im Garten. Trotzdem ärgerlich!

Vergesslichkeit

Das beste Wissen nützt nichts, wenn man seine Gedanken nicht beisammen hält. Grade im Kräutergarten, zu dem ich immer ein paar Schritte laufen musste, vergaß ich gerne mal, Pflanzen abends zu gießen, rein zu stellen oder ganz einfach einzupflanzen. „Das mach ich später noch“. Ja klar, und schon ist es vergessen.

Falscher Standort

Hier möchte ich nachdrücklich appellieren, unbedingt die Empfehlungen auf den Saatguttütchen, an den Pflanzen oder im Internet zu beachten! Jede Pflanze braucht ihren genauen Mix an Standortbedingungen, auf die man achten sollte und die man auch regelmäßig checken sollte. Vor 3 Jahren kauften wir eine Kiwi und pflanzten sie an den Zaun. Super zum rankeln, dachten wir. Wenige Monate später wurde eine Gartenlaube daneben gesetzt. Plötzlich hatte die kleine Kiwi gar kein Licht mehr, nur abends 1h volle Sonne. Das reicht nicht! Trotzdem muss ich sagen, das Pflanzen erstaunlich robuste Lebewesen sind. Zwar wuchs sie so wenig, dass ich dachte, sie sei dahin, war sie aber nicht. Wir setzten sie um und hofften auf mehr Glück. Allerdings wollte es uns die kleine Kiwi nicht so recht verzeihen. Sie ging am Ende doch ein.

Wassermengen

„Stets feucht halten“ steht überall auf den Samentüten. Und überraschenderweise bedeutet es genau das: es darf nicht austrocknen. Und das tut es, wenn man Samen auf der Fensterbank vorzieht. Ein sehr anstrengendes Prozedere, das mich nach vielen Anläufen doch dazu gebracht hat, Frischhaltefolie als „Mini -gewächshaus“ zu benutzen. Aus ökologischer Sicht nervt es mich tierisch, aber es hat riesig geholfen! Ich hab versucht, sie 2-3x zu nehmen.

Insgesamt bin ich ein wenig-Gießer. Das klappt okay, auch wenn ich glaube, dass mich das grade bei Fruchtpflanzen einiges an Größe kostet. Aber zumindest wachsen sie 😀

Zuvielgießen ist aber genauso Käse, wenn man an lange Trockenperioden denkt, in denen die Pflanzen dann ohne Wasser auskommen müssen oder wenn man keinen guten Abfluss sicherstellen kann.

Tiere

Wir haben einen Hund auf dem Hof. Der pullert gern und überall hin. Für eine Kräuterfee, die gerne Wiesen-Blütenpflanzen sammelt nicht so praktisch. Aber auch Katzen können einigen Unsinn anstellen:

Von Plagegeistern wie Kohlfliegen und Co. mal ganz abgesehen. Die kann man in Schach halten und Vorkehrungen treffen, aber so richtig raushalten kann man sie aus dem Garten nicht.

Ein ganzes Regalbrett voller eingegangener Pflänzchen…

Ich gärtnere jetzt schon ein paar Jahre und hab sehr viele Standardfehler mitgenommen. Vieles ging einfach nie auf, weil ich es nicht richtig gepflegt habe. Darum lese ich mittlerweile lieber 5x die Beschreibungen und Empfehlungen und hoffe, dass ich mir die unterschiedlichen Ansprüche irgendwann besser merken kann.

In dieser Saison bin ich dazu übergegangen, einfach viel zu viel zu machen. Entweder es läuft wieder allerhand schief und es reicht geradeso, oder ich nutze die Internetplattformen zum versteigern und verschenken. Andere freuen sich, und ich muss trotz Fehler nicht oder nur sehr selten auf meine Auswahl verzichten. Dieses Jahr mache ich das mit euch zusammen. Nämlich morgen in Magdeburg. Seid ihr dabei?

Und als Perfektionistin ohnegleichen muss ich euch sagen, dass der Garten mich sehr achtsam aber unbeirrbar auch Fehlermanagement und Geduld lehrt.
Es ist, als würde die Natur mir zuflüstern:

„Im nächsten Anlauf klappt es besser. Lerne daraus und ich werde dir helfen.“

Was sind eure größten Patzer und was hat euch danach geholfen? Wir freuen uns auf eure Antworten und Gedanken.

Mit Liebe und Vertrauen auf den nächsten Versuch,
Helena ♥

Eine Antwort zu „Stirb und Werde“

  1. […] Stirb und Werde – Wie nah Leben und Tod bei der Gemüseanzucht sind und was mir die Natur dazu zuflüstert. […]

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