Wisst ihr, ich bin ein sehr wuseliger Mensch. Hier ein bisschen, da noch rasch was wegräumen, das kurz umstrukturieren. In Gedanken währenddessen Luftschlösser und Businesspläne bauen. Und all das, obwohl ich weiß, wie gut es tut, eins nach dem anderen zu erledigen oder sich in eine Sache voll und ganz zu vertiefen.
Auf den Spuren des Minimalismus
Vermutlich ist das der Grund, weshalb ich so eine Sehnsucht nach dem Lebensstil des Minimalismus habe. Ich hatte nie besonders viel Zeug, aber tausend verschiedene Interessen, die ich mehr oder weniger verfolgte. Und vor allem tat ich mich schon immer schwer damit, Ordnung zu halten. Ich hatte da lange Zeit nicht die besten Vorbilder für (aber das ist schon okay 😉 ). Und – alle Mamas werden mir zustimmen – ist das mit Kindchen einerseits noch schwieriger, andererseits aber an einigen Stellen noch wichtiger! War es früher egal, wenn alte Konservendosen zum basteln ewig rumstanden, ist das heute eine ziemliche Gefahrenquelle für meinen kleinen Weltentdecker. Also wusele ich weiter. Hier ein bisschen, da noch schnell.
Besonders im letzten Jahr war das schlimm. Mitten in der Ausbildung zur Gartentherapeutin war ich oft sehr unruhig, weil ja zum Baby-Alltag noch das Lernen dazu kam. Also saß ich eines schönes Sommertages mit meinem Laptop verkabelt draußen auf unserer wunderschönen Terrasse und versuchte, schriftliche Übungsaufgaben zu bewältigen und nebenbei nette Gespräche zu führen. Da machte mich mein liebster Freund auf einen kleinen Frosch aufmerksam.

Er hatte schon öfter gesagt, dass wir einen Frosch am Teich haben, sogar mehrere und der Klang von Quak-Konzerten vor allem Abends war mir vertraut. Aber gesehen hab ich weder als Kind noch als Erwachsene so wirklich einen. Ja, mal beim vorbei springen, kurz, aber für mehr war ich viel zu unaufmerksam, unruhig. Außerdem gab es keinen, der es mir mit der inneren Ruhe zum Tiere beobachten nahegebracht hätte. Aber jetzt habe ich so einen Menschen.
Also war ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt, weil er ganz nah bei mir war. Ich legte endlich die Papiere beiseite und kniete mich langsam zu ihm herunter. Er direkt am Teichrand, ich auf der Terrasse. Und da saß er einfach. Sprang nicht weg, als ich da war. Ich hatte das erste Mal im Leben genug Zeit, um so einen kleinen grünen Frosch in der freien Natur aus der Nähe zu betrachten. Das war schön. Ich versuchte, mir alles genau anzusehen. So, als würde ich ihn nachher zeichnen wollen. So saß ich sicher 10 min da. Weder Kind, noch Freund noch Aufgaben konnten mich in diesem Moment rausbringen. Und da sagte mein lieber Freund plötzlich:
Na sieh mal einer an, es braucht also einen kleinen Frosch, um dich endlich mal durchatmen zu lassen.
Tatsächlich fühlte mich mich danach wie erfrischt. Das war ein schönes Gefühl. Heute weiß ich, dass die Natur unsere ständige gerichtete Aufmerksamkeit ausgleicht mit diesem angenehmen Trick, uns zu unterhalten ohne zu fordern. Es ist interessant, aber es löst keinen Stress in uns aus. Attention-Restoration-Theory (zu deutsch in etwa: Aufmerksamkeits-Wiederherstellungs-Theorie) nennt man das Ganze. Das Ehepaar Kaplan hat diese Theorie schon vor Jahren entwickelt. Und seit ich das weiß, bemerke ich es noch viel mehr als früher. Es beruhigt mich uns, wenn wir in die Natur sehen. Egal wohin genau. Dort, wo es unsere Aufmerksamkeit grade hinzieht. Das kann eine Pflanze sein, das Rascheln der Blätter, die Wasseroberfläche oder eben ein kleiner grüner Frosch.
Daran musste ich auch heute wieder denken. Ich war in unserem neuen Garten, der ja noch ziemlich im Rohzustand ist und wollte ein paar Beerensträucher einpflanzen. Um das zu tun, musste allerdings erstmal eine ordentlich Grasnarbe entfernt werden. Ganz vorsichtig, weil dazwischen auch viele Wiesenkräuter waren und ein Lavendelstrauch. Daneben lagen zwei Steine und eine schräge tönerne Untertasse, in der etwas Wasser war. Als ich grade dort alte Äste entfernte, schreckte ich kurz zusammen. Was war denn das ?!
Krabbeltiere haben immer diese unangenehme Eigenschaft, mich ziemlich zu erschrecken!
Ich sah eine wunderschöne kleine Eidechse. Vermutlich sah sie ganz normal aus, aber es war die erste, die ich lebendig sah. In unserem Ruinen-Kräutergarten fand ich mal eine tote Eidechse, aber diese hier war ganz lebendig und auch sie blieb wie der Frosch kurz für mich stehen. Dann verkroch sie sich langsam unter den Steinen. Langsam genug, dass ich sie betrachten konnte. Diesmal würde mir eine Zeichnung besser gelingen, zumindest in meinem Kopf. Ich sah ganz genau hin. Das war schön. Und es war ein besonderer kleiner Moment, nachdem ich eben noch ganz in meine Gartenarbeit versunken war, ein Mutter-Erde-Mantra singend.
Und so hoffe ich, dass ich immer öfter meinen Blick für kleine und große Tiere öffnen kann. Mit Kind geht das ja wunderbar bei jedem Käfer, jeder Ameise. Davon lasse ich mich gerne anstecken!
Was bringt euch in der Natur zur Ruhe? Erzählt es gern!
In Liebe,
eure Helena ♥
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