FamilienNatur

Holz

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Eigentlich bin ich Kräutermädchen, seit wenigen Jahren auch Gemüsegärtnerin. Doch mit unserem neuen Gartenprojekt kommt ein Bereich dazu: das Arbeiten mit Holz, sprich: mit Bäumen, Sträuchern, alten Ästen. Diesen Winter lern ich also Neues zum Thema Obstbaumschnitt, Bäume fällen, Holzverarbeitung und -lagerung. Wie kann ich möglichst viel vom gefällten Baum nutzen und welche Gehölze werden wo und wann neu eingepflanzt? Wenn das geschafft ist, kann der Frühling kommen!

Teil I: Obstbaumschnitt

Fangen wir mit dem an, was ich im letzten Jahr schon beobachten konnte. Wir haben auch vor unserer Wohnung Obstbäumchen, die letztes Jahr das erste Mal fachkundig bearbeitet wurden. Und das wirkte Wunder! Plötzlich hatten wir gesunde und größere Äpfel am Baum hängen, die unser Kleiner mit Genuss direkt vom Baum naschte.
Im Schrebergarten steht ein großer Apfelbaum, eine Kirsche, vermutlich ein Pfirsich und wir haben Weinreben und eine riesige Brombeerhecke. Es ist also reichlich zu tun! Aber da wir bei der Kirsche nicht sicher sind welche Art und Sorte und auch nicht hundert Prozent wissen, ob es ein Pfirsichbaum ist, haben wir die beiden erstmal ruhen lassen. Der Apfelbaum hingegen wurde wirklich arg zurückgeschnitten! Ich hätte das nicht zugelassen, wenn ich nicht letztes Jahr gesehen hätte, wie gut es dem Baum tut.

Besonders die Wasserreißer in den Himmel wurden konsequent zurückgestutzt.

Die Weinreben werden – soweit ich das gelesen und gelernt habe – sowieso jährlich sehr radikal zurückgeschnitten. Nach einer kurzen Erklärung und 2-3 YouTube Videos trau ich mir das selbst zu. Wie gut es tatsächlich wird, zeigt sich dann im Sommer und Herbst. Die Trauben sind auf jeden Fall die leckersten weit und breit! Sie haben uns bei der Übernahme des Gartens als erstes begrüßt und verzaubert 💙

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Teil II: Bäume fällen

Nun der Teil, der mir am schwersten fällt. Bedingung bei Übernahme des Gartens war, dass die Nadelbäume vom Grundstück kommen. Besonders der Lebensbaum, denn er überträgt den Birnenrost, eine Baumkrankheit, die Birnbäume nutzlos werden lässt. Thujen mag ich eh nicht sonderlich, aber es steht auch eine eindrucksvolle Kiefer direkt im zukünftigen Gemüsebeet und nimmt in etwa ein Viertel des Gartens für sich ein. Das ist bei der klassischen Schrebergarten-Bedingung „ein Drittel Anbaufläche“ natürlich eine Menge Platz, darum muss sie weichen. Damit es mir nicht allzu sehr weh tut, will ich schauen, das Holz und auch das Harz, die Zapfen und die Nadeln wirkungsvoll zu verwerten.

Nun war es gestern endlich soweit und mit fachkundiger Hilfe fielen die treuen Bäume. Das war ein seltsames Gefühl und der erste Blick danach erstmal der erwartete Schock. Der Garten sieht ganz anders aus. Aber das Wort, das uns allen in den Sinn kam war „luftig“, und das gefiel mir. Tatsächlich ist es so luftig, dass man jetzt von allen Seiten den vollen Blick in unseren Garten hat. Sichtschutz adé! Aber es fällt jetzt Sonne auf die Terasse und wir können endlich die Gemüsebeete bestellen. Darauf hab ich mich schon lange gefreut! Auf den Bildern sieht das Tagesergebnis ziemlich ernüchternd aus, aber aus anderen Perspektiven konnte man schon vor sich hinträumen, wie schön es im Sommer wird. Außerdem werden die nächsten Wochen fleißig Wild-, Beeren- und Obststräucher geholt und dann kann es wieder richtig schön aufblühen!

Das sphärische Gefühl, was die Bäume dem Garten gaben ist weg. Aber neue, schöne Stimmungen werden kommen.
Sichtschutz adé! Zumindest fürs Erste. Kräuterspiralen, Wildstrauchhecken und Kletterpflanzen sind in Planung.

Teil III: Lagern und Verwerten des Holzes

Und nun? Was passiert mit dem neu gewonnenen Material? Hoffentlich einiges! Wir haben die langen Stämme der Nadelbäume ganz gelassen. Sie können der Beetumrandung dienen, wenn vom Sandkastenbau noch genug Stämme übrigbleiben. Die feinen Äste werden gehächselt und auf die Beete als Mulchschicht, oder auf die Wege als Bodenbelag gegeben. Eine weitere Verwendung ist, das Sägemehl für unsere Komposttoilette zu nutzen. So sparen wir uns einige Zeit das Zukaufen.

Aus den besonderen Ästen der Kiefer und auch aus anderen einzelnen Schmuckstücken möchte ich gern etwas bauen. Vielleicht Regale für die Laube, vielleicht kleine Dekostücke, ich weiß es noch nicht. Aber es ist mir wichtig, diese im Garten irgendwie in Ehren zu halten. Diese Bäume haben viel von dem Charme ausgemacht, der mich zu diesem Garten hingezogen hat. Es war wichtig, dass sie gehen, aber sie sollen nicht einfach nur verbrannt werden.

Zuletzt möchte ich noch einige schöne Nadeln der Kiefer sammeln und verwenden. Ich habe gelernt, dass man daraus einen sehr wirksamen Tee gegen trockenen Husten machen kann. Das will ich gern versuchen! Das Sammeln vom Harz hat bisher nicht so gut funktioniert. Vielleicht kann ich im Nachgang noch ein wenig davon sammeln, um Harzsalbe herzustellen. Ich schaue, was sich noch finden lässt.

Gartentherapie in der Umbauphase

Nun möchte ich euch noch von den Brombeeren erzählen. Brombeeren gehören zu den regionalen Superfoods! Sie sind voll von Antioxidantien und gesunden Inhaltsstoffen . Außerdem sind die Blätter auch jetzt im Februar schon da und ein tolles Wildkraut, dass man essen oder als Tee genießen kann.
Aber Brombeeren sind auch sehr, sehr stachelig und wehrhaft! Bestimmt 20qm des Gartens überzogen sie, nachdem sie sich 3-4 Jahre ungestört ausbreiten konnten. Mit ihren langen Zweigen wachsen sie, bis sie wieder am Boden aufkommen, wo sie sofort beginnen sich neu zu verwurzeln. Es reicht also nicht, einfach nur die Stacheläste zu schneiden, Stück für Stück. Nein, man muss jeden Wurzelballen ausgraben, wenn man die Wiese wieder für sich haben will. Das kostet einige Stunden kleinschrittige Arbeit.

Aber, bin ich nicht genau dafür im Garten?

Brombeeren zu bändigen ist tatsächlich eine tolle Tätigkeit, wenn man grad schlecht gelaunt ist. Der Aufenthalt draußen allein hilft dabei, wieder runterzukommen. Der Puls fährt runter. Sich langsam durch die Stacheln zu arbeiten hilft dabei, sich mit seinen eigenen inneren Stacheln auseinanderzusetzen. Und wenn man lange genug arbeitet (was bei dieser Aufgabe gut möglich ist), kommt man in eine Art Flow-Zustand. Es ist wie Meditation für mich, einfach an nichts denken zu müssen als daran, welchen Ast ich als nächstes angehe. Dabei entdecke ich unter der Strauchdecke ein überdecktes Kräuterbeet. Wir haben lebendigen Salbei und Oregano im Garten! Ich bin gespannt, was ich noch für Schätze entdecken werden!

Ich habe es schon immer geliebt, aus alten verlassenen Orten, die niemand sonst haben will, einen lebenswerten Raum neu zu gestalten. Ich liebe es, all die verborgenen Schätze zu entdecken, die unter dichten Dornenhecken versteckt waren. Bei Pflanzen und bei Menschen! Darum freu ich mich, wenn ich dran bleibt und weiter verfolgt, was aus unserem Garten – nun im Rohzustand – über den Sommer wird. Wie wir aus einem ungeliebten, kaputten Ort eine tolle Oase für Kinder, Lebewesen und uns als Wunsch-Selbstversorger schaffen!

In Liebe, eure Helena ♥

Eine Antwort zu „Holz“

  1. […] erste Blick auf den geheimen Garten, den alten Film meiner Kindheit. Ich sah von Anfang an, dass die wunderschöne, geheimnisvolle Kiefer, die leider zugunsten der Kleingarten Regelungen gehen musste, direkt in meinem Gemüsebeet steht. […]

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