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Billig oder bio?

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Man lebt ja oft so, wie man es kennt. Ich für meinen Teil bin so groß geworden, dass meine Mutter jeden Donnerstag erst bei einem Discounter, dann bei einem Supermarkt den Wocheneinkauf erledigte. So war es dann natürlich auch, als ich in meine erste eigene Wohnung zog. Discounter und Supermarkt waren nur die Straße hoch, also auch ohne Auto gut zu erreichen. Zuerst immer erst zum Discounter, denn da ist es am günstigsten. Alles, was man dort nicht bekommen hat, hat man dann beim Supermarkt geholt. Warum die beiden Läden gefühlt überall genau nebeneinander sind, das habe ich mich oft gefragt. Wahrscheinlich aus genau diesem Grund. In meiner Stadt gab es auch einen Bioladen, klein, kaum Auswahl und viel zu teuer für eine Auszubildende. 

Ich blieb bei meiner bekannten Routine. 

Viel Zeit verging. Ich zog um, hatte einen neuen Job. Und was sah ich unterwegs? Auf meiner Strecke zur Arbeit ist ein Bioladen. Direkt an meiner Straße, kein Umweg nötig. Toll, dachte ich. Und schaute auch schon schnell rein. Viel Auswahl für akzeptable Preise. Regional, da der Laden zu einem Bauernhof gehört. Das Schnitzel aus dem Bioladen ist so viel besser als das aus dem Supermarkt. Ich war begeistert, da man den Unterschied förmlich schmeckte. Zu dieser Zeit bekam ich Tabletten, durch die ich einen Reizdarm bekam. Nichts half, aber keine Wurst, nur Bio-Fleisch und größtenteils Produkte aus dem Bioladen schon. 

Macht es etwa so einen Unterschied? 

Dann kam 2022. Durch Corona wurde eh schon alles teurer, der Ukrainekrieg verschlimmerte es nur. Die Produkte im Supermarkt und Discounter wurden schon wesentlich teurer, da brauchte ich im Bioladen gar nicht darüber nachdenken. 

So fuhr ich an dem Bioladen nur noch vorbei. 

Bis ich in Helenas Beitrag folgendes las: 

“Es ist ein Trugschluss, dass die guten Sachen wirklich teurer sind. Ja, der Preis ist sichtbar ein anderer. Aber es gibt gute Kampagnen, die zeigen, dass das eben nicht die ganze Rechnung ist. Dass Menschen unwürdig bezahlt oder behandelt werden, dass Lebensmittel mit schlechten Zutaten, die aus der ganzen Welt geliefert werden hergestellt werden, und dass das auf unsere Gesundheit schlägt. Dann müssen wir Medikamente kaufen oder Therapien beginnen. DAS ist teuer! Da sollte jeder und jede lieber den wöchentlichen Euro mehr investieren. So kümmert man sich um die eigene Gesundheit und hat nebenbei den ehrlichen, engagierten Betrieb gerettet, der es richtig machen will.”

Und Sie hat Recht. Natürlich zahle ich im Bioladen mehr Geld. Aber was bekomme ich dafür? Das Schnitzel schrumpft nicht auf die Hälfte in der Pfanne, mir wird nicht übel von ein paar Scheiben Wurst. Ich unterstütze die Regionalität und bekomme dafür wesentlich gesündere Lebensmittel, die mir und meinem Körper gut tun. Kurzum: Ich investiere in meine Gesundheit und tue etwas Gutes.  Die Rechnung geht auf. 

Und so war ich wieder im Bioladen. 

Ich gebe das Geld mehr dann doch gerne aus, auch, weil ich die letzten Monate mit Supermarktfraß wieder Magenbeschwerden bekam. 

Ich verstehe, dass eine 4 oder 5 köpfige Familie sich das vielleicht wirklich nicht leisten kann. Aber vielleicht kann man Kompromisse finden. Überlegen, wie viel Essen man wegwirft und wie man effektiver planen kann. Ich für meinen Teil schreibe mir wieder einen Wochenplan, so fehlt mir nichts und ich habe nichts über. Und wenn doch, dann friere ich es ein, bevor es schlecht wird. Einfach mal regelmäßig in den Kühlschrank schauen. Denn oft vergessen wir Essen hinten in der Ecke, bis es schlecht ist. Außerdem schränke ich meinen Fleischkonsum stark ein und möchte weniger, dafür aber besseres Fleisch essen. 

So, und nun werde ich den Essensplan und die Einkaufsliste fürs Wochenende und die nächste Woche schreiben. 

Wie handhabt ihr das? Setzt ihr auf Bioprodukte oder Regionalität? Seid ihr gewillt, dafür mehr Geld auszugeben?

Gartenbini. 

2 Antworten zu „Billig oder bio?“

  1. Hm… die Gedanken sind nicht schlecht. Ich persönlich setze auf Regional und auf Bio. Letzteres aber nur, weil ich einiges selbst anbaue..
    Obwohl ich im ländlichen Bereich wohne, gibt es dort aber nur 1 Bioladen in mehreren Kilometern Entfernung ohne vernünftige Möglichkeit, diesen mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. Die bäuerlichen Direktvermarkter sind an meinem Wohnort ebenfalls äußerst selten, und sie bieten nur Produkte aus der herkömmlichen Landwirtschaft an. Deren Produkte sind teurer als (regionale) Produkte in den Lebensmittelketten.
    Besonders im ländlichen Regionen sind zu bedenken: lange Wege zu Bioläden, mangelnde Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, und falls eine Anbindung dann doch besteht, dann sind es lange Fußwege zu den Läden und zu den Haltestellen. Nach einem größeren Einkauf (Transport bedenken!) sind diese Wege vor allem für ältere Personen und/oder Gehbehinderte nicht zu bewältigen. Oder sie müssten einen Laden in Raten aufsuchen – eine unzumutbare Belastung besonders an heißen Tagen, bei Regen, Glatteis und Sturm (den Schnee lasse ich mal weg…)
    Was bleibt, ist dann doch der Weg zu REWE, ALDI und Co.

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  2. […] es produziert haben, hergestellt wurden. Auf lange Sicht, ist das günstiger, darüber haben wir hier schon berichtet.Das andere Extrem ist, in den vollen Sparmodus zu gehen. Dabei schaue ich nach guten […]

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