Wenn ich so darüber nachdenke, hat es mich immer wieder – zum Teil auf verschiedensten Arten – zum buddeln in der Erde hin gezogen. Doch immer wieder kam was dazwischen. Hier erzähle ich euch von meinem langen Weg bis heute.

Am Anfang waren da natürlich meine Großeltern. Beide Seiten hatten ihren Garten und den voller Freude. Doch auf der einen Seite starb mein Opa und für den Garten war nicht mehr genug Kraft da. Außerdem folgte bald darauf der Umzug. Bis dahin gab es dort immer eine lange Reihe Himbeeren.
Auf der anderen Großeltern-Seite wurde der Garten ebenso begeistert gehegt, ich erinnere mich noch an ein Osterfest dort und eine riesige Rosenkohlpflanze, die absolut unglaublich aussah. Doch der Kontakt brach ab.
Das erste eigene Garten-Erlebnis war der Schulgarten in der Grundschule. Den gab es bei uns nur 1 Jahr lang. Vermutlich fehlten Lehrerinnen, wie immer. Aber in einem Jahr bekam jeder eine eigene kleine Fläche und wir haben das Beet vorbereitet und Möhren gesät. Das war schön! Mit dem Vereinzeln hatte ich so meine Probleme, ich wollte keine Babymöhren ausreißen, aber ich versuchte mein Bestes (das mag ich übrigens bis heute nicht und mache mir darum die Mühe, die winzigen Möhrensamen ordentlich mit Abstand zu säen). Doch dann kam es im Spätsommer zum Erdrutsch und mein kleines Beet war nur noch Matsche-Erde.
Das wars.
So 3 Jahre später – ich weiß nicht mehr, aus welchem Impuls heraus – durfte ich im großen, supergepflegten Garten meines Papas einen eigenen Kräutergarten anlegen. Ich wollte einen in Blumenform. Und in jedes „Blütenblatt“ komt eine Kräuterstaude. Das funktionierte hervorragend! Ziemlich schnell hatte ich wunderbaren Thymian, Salbei und Oregano. 3 von den 7 „Blütenblättern“ wollten nicht so recht wachsen, da sie zu viel Schatten ausgesetzt waren. Sei’s drum. Drumherum blüten die Studentenblumen und bereiteten mir große Freude. Ganz akkurat kam alles Unkraut raus und sah schön aus. Was ich mit den Kräutern anstellen konnte, wusste ich leider nicht. Das war schade. Aber niemand konnte mir (für eine 12-jährige) nützliche Anwendungen nennen.
Etwa zur gleichen Zeit habe ich einen wunderbaren Menschen kennengelernt. Eine Person, die Zweitmama und Kräutervorbild zugleich ist, beides bis heute. Ihre Freundschaft mit den Pflanzen und ihre unkonventionelle Art, „Unkraut“ einfach sein zu lassen und trotzdem schöne Beetflächen zu haben, begeisterten mich! Das wollte ich auch. Im zweiten Kräuter-Beet-Jahr ließ ich also alles einfach sein. Mein Papa war gar nicht begeistert, aber er lies mich machen. Alles verwucherte, die Kräuter hatten zu wenig Platz und verkümmerten so nach und nach. Ich konnte den Unterschied noch nicht begreifen. Im nächsten Jahr hat Papa das Beet weggemacht. Ich hatte eh keine Zeit mehr dafür.
In den Jahren danach war in meinem Teenagerleben viel los. Dennoch begeisterte mich die Kräuterheilkunde immer mehr, besonders in Verbindung mit dem Jahreskreis, Ritualen und einfachen Möglichkeiten ohne großen Kostenaufwand. Ich begann, meine Kosmetik selbst zu machen und mich damit auszuprobieren. Eine Gartenfläche hatte ich nicht.
Dann gab es da noch meine 6-Monatsreise in den Westen Irlands. Eine raue und wunderschöne Gegend! In meiner freien Zeit durfte ich mich auch dort austoben und versuchte, ein Beet zu bereiten. Soweit so gut. Ich kam sogar noch zum säen. Aber 2x irischer Regenguss gepaart mit dem Gräserurwald drumherum und der wenigen freien + trockenen Zeit die ich hatte, verwucherte auch das wieder. Schade!

Im Studium war ich ab und an im Gemeinschaftsgarten der dortigen „Transition Town“ Bewegung, aber viel Ahnung hatte ich ja nicht. Um ganz ehrlich zu sein: ich sah dort zum ersten Mal wie Ringelblumen sich aussäen und wie Brokkoli aussieht, bevor er das typische Brokkoli-Röschen ausbildet.
Oft war ich im Garten und wusste nicht, was ich machen soll oder ernten kann, oder wie ich es tun sollte.
Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein waschechtes Dorfkind, das nur selten mal die Stadt gesehen hat, weil da gar kein Geld dafür da war. Aber meine Familie hatte mit dem Gärtnern ja nie viel m Hut. Nur meine Oma, und die sah ich im Grunde nie. Folglich gab es niemanden, der mir all das erklärt hätte.
Darum fand man mich meist in der Kräuterecke. Da kannte ich mich aus! Das festigte und erweiterte mein Wissen, aber eben eher im vertrauten Bereich. Und doch, die ein oder andere Erfahrung konnte ich mitnehmen. Das super coole Mais-Bohnen-Kürbis-Beetdesign, die unendliche Ernte der Stangenbohnen, Mangold, Weißkohl und Sauerkrautherstellung, ordentliche Geräte und deren Pflege, Mischkulturen. Vieles nahm ich einfach staunend auf 🙂
Als ich nach dem Studium wieder in der Heimat landete, begannen mein bester Freund und ich, aus einer alten Ruine einen Kräutergarten zu gestalten. Das war und ist ein fantastisches Projekt, das wirklich viel Energie freigesetzt hat! Ich könnte damit noch 100 Beiträge füllen und mache es vielleicht auch noch. Dort haben wir uns unsere Gartenfläche selbst erarbeitet und gestaltet und das mit Erfolg. Material wurde wiederverwendet, nachdem wir es ausgebuddelt haben. Am Ende hatten wir einen richtig mediterranen Garten, der durch seine Steinmauern drum herum sämtliche Wärme speichert und Wind ausschließt. Perfekt für die klassischen Kräuter, ein Zitronenbäumchen, Tomaten und Co. Und vor allem ein wirklich toller Rückzugsort und Treffpunkt. Das war der Ort, an dem ich zu finden war, mein erster Weg nach dem Urlaub und der Platz an meinem Geburtstag.




2021 war es für mich aber endlich Zeit, mich auch mit dem Gemüse anzufreunden. Dafür war bisher kein Platz oder keine gute Erde da. Doch als sich mein Baby ankündigte und ich zu meinem Freund zog, gab es ein wenig Platz: ein Hochbeet, ein halbes Gewächshaus, Teichränder, Gartenecken und natürlich ein paar Blumentöpfe. Damit lässt sich was anfangen! Ich säte und pikierte und hatte eine tolle erste Tomatenernte sowie ein paar Kohlrabis und Blumenkohlpflanzen. Und viel Lernerfahrung 😉
Nun ist es 2022. Die Anbaufläche wurde deutlich vergrößert. Dieses Jahr gab es 6 Hochbeete, ein halbhohes Beet und Buschbohnen, wo vorher Zierpflanzen standen. Allgemein war die Planung am Anfang des Jahres sehr genau und viele Flächen vom letzten Jahr fanden endlich so richtig ihre Aufgabe.
Nach all den Jahren, in denen so oft etwas schief ging und es doch nie zum Gartenglück kam, ist es jetzt endlich soweit. Und wenn ich das so reflektiere, überlege ich, ob ich nicht schon als Kind ein Gartenmensch hätte werden können, wenn es nur jemanden gegeben hätte, der sich mit mir hätte begeistern lassen. Aber jetzt bin ich da. Der Garten bringt mich an die frische Luft, macht mich stolz und glücklich bei jedem wachsenden Pflänzchen, bei jedem Kochen mit selbst geerntetem Gemüse und nebenbei auch noch gesund. Und das schönste ist, dass mein Freund und unser Baby mit dabei sind. Der Kleine kann von Beginn an sehen, wie die Kreisläufe funktionieren oder wie Rosenkohl wächst. Und wenn er Lust hat, kann er mitmachen 🙂
In Liebe, eure Nena ♥
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