Es ist Mitte Februar. 3 Fensterbänke sind mit vorgezogenen Pflanzen belegt. Jeden Tag mache ich neue Erfahrungen. Bin in Gedanken bei meinem Garten. Freue mich auf den Sommer. Mein Freund guckt nur genervt, wenn ich mal wieder über meine Pflänzchen rumwundere.
Dabei war das nicht immer so. Meine Eltern haben schon lange immer ein bisschen Obst und Gemüse im Garten angebaut. Die Gurken aus dem Garten schmeckten meinem pubertären Ich nicht. Sie sahen anders aus als die im Supermarkt. Schmeckten anders. Damals hab ich mir über sowas keine Gedanken gemacht.
Als ich vor 3 Jahren in eine Wohnung zog, die an dem Balkongeländer Blumenkästen hat, nervte meine Mutter mich ein halbes Jahr, ehe ich sie bepflanzt habe. Ich hatte bis dato keinen grünen Daumen. Selbst die Kakteen sind bei mir gestorben. Ich hatte keine Lust Geld für Blumen auszugeben, die in ein paar Wochen eh vertrocknet sind. Zum Winter befüllte ich (oder Mutter) dennoch die Kästen mit Tannengrün, das im Frühjahr wieder verschwand. Da ja schon Erde in den Kästen war, holte ich mir doch ein paar Frühlingsblumen, zur Freude meiner Mutter, aber zur Trauer meines Geldbeutels. Denn 2 Wochen später waren sie erfroren. „Ja, die musst du bei Frost abdecken“, sagte Mutter danach. Zu spät.
Innerhalb von 2 Jahren bin ich zum absoluten Gartenfreak geworden. Ich liebe es in der Erde zu buddeln, bei schlechter Laune Unkraut zu zupfen, jedes Mal etwas neues zu lernen. Zu sehen, wie aus einem kleinen Samen eine große Pflanze wird, mit der ich leckere Gerichte kochen kann, hat vieles verändert.
Ich bin oft gestresst, impulsiv, launisch. Im Garten habe ich meine Mitte gefunden, da kann mich kein Rückschlag umhauen, im Gegenteil. Ich freue mich darüber, da ich wieder etwas gelernt habe. Wenn ich dann also mit Erde unter den Fingernägeln und Dreck in den Haaren nach Hause komme und mich unter die Dusche stelle, da ist immer alles in Ordnung.
Andere gehen zum Therapeuten, ich gehe in den Garten.
Unbekannt
Wann habt ihr eure Leidenschaft für’s gärtnern entdeckt?
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