Heute ist Totensonntag und ehrlich gesagt ist es in meinem Umfeld eher der Tag, den man eben noch abwarten muss, bis man endlich die Adventsbeleuchtung außen einschalten darf. Ich würde mit euch heute aber lieber in das Thema Tod und Sterben reingehen, bevor die Weihnachtszeit und das geschäftige Treiben endgültig beginnen. Durch mein Jahreskreis-Denken und Fühlen hat der dunkle Aspekt im Leben, in jedem von uns und vor allem in mir einen angemessen Platz bekommen. Ich schiebe es nicht (immer) weg, sondern betrachte die Dunkelheit als die Phase, in der Samen zu Keimlingen werden, in der das Licht neu entsteht und neue Ideen vom kleinsten Gedanken zu großen Taten heranwachsen können. Ich brauche Ruhephasen, um ins Handeln zu kommen und ich brauche Dunkelheit, um die Helligkeit voller Dankbarkeit zu bewundern.
Und das kam mir zum Thema des Tages so in den Sinn:
Ich werde vermutlich meine große Schwester eines Tages sterben sehen, weil sie älter ist als ich. Ebenso wie meine Eltern und meine Oma. Auch in meiner Schwiegerfamilie bin ich das Küken. Vermutlich gehen sie alle vor mir.
Das ist für einen Moment ganz schön harter Tobak. Vielleicht sollte man das für ein paar Atemzüge erstmal stehenlassen und sich setzen, bis diese spontane Enge und die Angst vorbeigezogen sind. Als das bei mir passiert ist, kam ein Wunsch, eine Hoffnung: Ich wünsche mir, dass ich all diese wunderbaren Menschen in dieser bedeutenden Phase des Lebens begleiten kann und die Tage bis dahin mit wunderschönen Erinnerungen füllen kann, mit einem Potpourri an „Weißt du noch, damals…?“
Tatsächlich habe ich ein sehr ruhiges Verhältnis zum Sterben.
Ich weiß nicht ganz, wie ich das beschreiben kann. Ich habe keine Angst davor. Ich denke, dass ich all diese Menschen vermissen werde, aber ich habe sie ja dennoch in meinem Herzen. Sie sind ihren Weg gegangen und ich war dabei, kann ich sagen, wenn der Tag dafür gekommen ist. Auch sage ich so oft es passt, dass ich sie lieb habe und froh bin, sie um mich zu haben, als Teil meines Lebens.
Tatsächlich hat mich dieser Gedanke heute eher ein Stück mehr ins Leben gerufen als gelähmt. Traurig stimmen würde es mich, wenn wir zu viele Dinge auf unseren Wunsch-to-Do-Listen verpasst hätten, bevor einer von uns geht. Verzweifeln lassen würde es mich, wenn der Grund ein grausamer Unfall oder eine hässliche Krankheit gewesen wäre, der zu jung aus dem Leben reißt oder wenn die Seele so arg verzweifelt ist, dass sie keinen anderen Weg weiß als dieses Leben zu beenden. Schmerzlich wird es erst bei denjenigen, die ich gern mehr in meinem Leben hätte oder denen ich gern mehr geben würde als ich kann.
Glücklicherweise habe ich schon viel Zeit meines Lebens mit Dingen und Menschen verbracht, die ich gern habe.
Im Idealfall aber bleiben wir von diesen Schicksalen weitestgehend verschont und werden alle nur alt und wacklig auf den Beinen, haben vielleicht schlechte Augen oder können mit der schnellen Welt nicht mehr so gut Schritt halten. Dann fassen wir uns fest an den Händen und wissen um die Tage, die wir gemeinsam hatten. Vielleicht rufen wir uns regelmäßig an und erzählen, wer Geburtstag hat und wie es uns geht. Meine Oma und ihre Schwester machen das jedenfalls so, schon viele Jahre lang. Anfang bis Mitte 80 sind die beiden und sie wollen noch viel älter werden!
Diesen Beitrag schreibe ich, um eure Sicht auf das Sterben und den Tod ein wenig zu verrücken. Wer den Tod bei seinen alltäglichen Entscheidungen auf der Schulter sitzen hat, kann viel klarer zwischen dem, was man will und nicht will unterscheiden*. Das muss nicht traurig sein. Das kann auch ermutigend sein und sehr dankbar stimmen für die Zeit, die man in dieser Welt und mit seinen Lieben hat.
Nutzen wir also die Zeit, die wir haben!

In Liebe und Gedanken an all meine Ahninnen und Ahnen, die mir den Weg bis hierher geebnet haben und an all diejenigen, die vor mir diese Welt verlassen haben, obwohl es noch nicht ihre Zeit war.
eure Helena ♥
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- Samhain – Die dunkle Zeit im Jahreskreis. Von vielen ungeliebt, aber so kraftvoll und notwendig!
- Stirb und Werde – Wie nah Leben und Tod bei der Gemüseanzucht sind und was mir die Natur dazu zuflüstert.
- Schmerzstiller – Wenn auch nur ein kleiner Trost.
* Das sagte die kluge Vera Birkenbihl in einem ihrer Vorträge
PS.: Trauer ist übrigens eine Sache, die ich sehr ernst nehme. „Es geht schon“ und Schulterzucken sind nicht ausreichend, wenn Menschen fehlen, die eben noch da waren. Es ist okay, lange zu trauern, wenn wir geliebte Menschen verloren haben. Nutzt, was euch hilft: spielt Musik, geht raus in die Natur oder unter Menschen, seht Filme oder lest Bücher. Es ist okay zu weinen, sich ganz starr zu fühlen, es nicht glauben zu können und zu verzweifeln.
Für eine Weile.
Wenn ihr merkt, dass ihr aus der Tiefe nicht mehr herauskommt, keinen Frühling mehr erkennen könnt oder euch niemand versteht. dann sucht euch bitte Hilfe! Es gibt Selbsthilfegruppen, Therapeuten, (begleitete) Gartentherapie und so viel mehr.
Euer Leben ist zu wertvoll, um es schon zu Lebzeiten aufzugeben! Lebt, so sehr es eure Sinne zulassen! ♥
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