Wieder nach langer Zeit schließt sich ein Kreis, fei’re und danke dem Leben. Ernte die Früchte und wisse: ich werd sie weiter geben!
Willkommen im Herbst! Ehe wir uns umsehen konnten, ist er schon wieder da. Mit vollen Erntekörben, viel Zeit, die wir zum Einkochen und Haltbar machen verwenden können und dem abendlichen Blick auf einen Sonnenuntergang, der uns einlädt, uns drin mit einer warmen Tasse Gartentee einzukuscheln. Ich liebe diese Jahreszeit wie jede andere im Jahreslauf und fühle schon beim schreiben, wie sich diese zarte Melancholie, die uns über das Geschehene nachdenken lässt, mit dazu gesellt.
Mabon ist der Sonnenuntergang des Jahres.
Die Natur wechselt ihr Kleid von grün-gelb-bunt zu rostigem orange und braun. Das Thema ist der letzte Schliff, das Aufräumen, Einsammeln und Abschließen zum Schluss. Doch bevor wir die Dinge winterfest machen, können wir noch die letzten wärmenden Sonnenstrahlen einfangen. Eben war es noch sommer-hitzig-warm, nun steigen morgens die Nebel auf. Trotzdem hat die Sonne noch ein wenig Kraft. Genießen wir sie, während wir auch das im Jahr Erreichte genießen. Wir haben viel durchgemacht im diesjährigen und immerwährenden Jahreslauf, aber mit einem weisen und dankbaren Blick erkennen wir, wo uns das alles im besten Sinne hingebracht hat: Wir sind ein gutes Stück weiter gekommen, sind gewachsen und gereift, genau wie dieser schöne Apfel, den wir gerade zu einem wunderbaren Apfelmus für den Winter vorbereiten, und dabei ein kleines Stück wegnaschen.

Wir sollten jetzt gut schauen, was wir mitnehmen wollen aus dem Garten des Lebens, denn wir können unmöglich alles mitnehmen. Unsere Sinne fangen zwar alles auf, aber der Kopf kann nicht alles verarbeiten und muss selektieren. Also wofür entscheiden wir uns? Für die Feststellung, wie weit uns dieses Jahr in den Ruin und die Verzweiflung getrieben hat? Oder achten wir auf die Momente der Hoffnung, aus denen der Wandel kraftvoll und zärtlich entstehen kann?
Wir bewegen uns in diesen Wochen in einer Schwellenzeit, die wir alle spüren können: Das Eine müssen wir loslassen. Die Sommerhitze zum Beispiel oder das langanhaltende Tageslicht am Abend. Das war eine schöne Zeit, in der man viel Kraft sammeln konnte. Bedanken wir uns doch bewusst dafür.
Wenn wir das getan haben, können wir auf das Andere offenherzig zugehen und fühlen uns besser gewappnet für das, was kommt. Es gibt sowieso immer und immer beides: innen und außen, männlich und weiblich, stark und schwach, hell und dunkel. Und wir brauchen auch beides, wir brauchen immer beide Seiten des Lebens, sonst funktioniert es nicht. Und lasst euch von jemandem, der die Anderswelt manchmal näher ist als die irdische, sagen, dass es gut tut, die Dunkelheit zu umarmen! Sie trägt so viel Weisheit in sich, die man nur erkennt, wenn man sich hinein begibt.
„Mag der Sturmwind brausen, ich steh mittendrin. Treibt die alten Blätter fort, die längst gefallen sind!
Cora Zauberharfe
Wenn der Wind des Wandels weht, steh ich stark wie ein Baum. Meine Blätter tanzen in Wind.“
Also heißt es: sich einfühlen in sich selbst und umwandeln, was man erfahren hat, um es halt-bar zu machen. Denn so kann es greifbar werden und sich mit anderen Erkenntnissen verknüpfen. So können alte und neue Lebensthemen transformiert werden in Ideen, die endlich oder neu umgesetzt werden.
Als festes Stichwort habe ich bei Recherchen zur Mabon Zeit, in die wir also vom 23. September, der Herbsttagundnachtgleiche, bis zu Samhain, dem keltischen Neujahr, eintauchen, vor langer Zeit mal das Wort Geschichten gefunden. Und endlich leuchtete mir ein, warum eigentlich.
Geschichten erlauben es, Erlebnisse abstrakt darzustellen, und somit aus neuer Perspektive betrachten zu können. Man kann sich auch in verschiedene Charaktere einfühlen und so noch unterschiedlichere Gedanken zum Vorschein bringen. Aber vor allem kann man Geschichten in geselligen Runden erzählen. Man kann sich dazu austauschen, ohne zu sehr an der Realität festhalten zu müssen. Man kann ganz ungeniert verrückte Vorschläge machen und kann sie einfach durchspielen und ggf. später verwerfen. Oder eben in seine Gedankenspiele mit aufnehmen. Und das alles passiert, während wir uns in der echten Welt eher wieder ins Haus zurück ziehen. Beim Geschichten austauschen können wir auf eine schöne Art und Weise aus uns heraus kommen, wir können berichten oder erfinden, bei den Fakten bleiben oder mit Gedanken spielen. Eine Art des Gemeinsamseins, die wir unbedingt wieder mehr kultivieren sollten.

Also los! Wie verbringt ihr die Herbstzeit? Mit schönen Spaziergängen, bei denen man toll erzählen oder in Gedanken schwelgen kann? Mit einer Runde Vertellis, bei der man das Jahr schonmal gemeinsam mit anderen Revue passieren lässt? Oder vielleicht mit dem beeindruckenden Werk von Clarissa Pinkola Estés „Die Wolfsfrau„, in der alte Geschichten rund um transformative Prozesse tief in unser Menschsein blicken lassen? Was immer ihr tut, genießt die kühle Luft, die euch schon vorsichtig an die Zeit erinnert, in der es um euch geht. Weicht dem nicht aus, dann wird es eine Bereicherung!
In Liebe und Hochachtung,
eure Helena 💙
PS: Das war nun tatsächlich der letzte Beitrag in meiner Jahreskreisreihe. Sie ist ganz anders geworden als ich es geplant hatte, weniger Faktenbasiert-informativ. Dafür habe ich versucht, mit euch in die Tiefe zu gehen. Weg von den irgendwo festgehaltenen Ritualen, hin zu dem, was ich in meinem Inneren zu diesen Jahreskreiszeiten fühlen kann. Ich wollte euch gern dazu inspirieren, auch eurer inneren Stimme zu folgen. Sagt sie was ähnliches? Oder fühlt ihr ganz andere Dinge zu diesen Zeiten?
Ich hoffe, ihr habt euch ein wenig in eigenen Gedanken verloren und könnt nun mithilfe der Mabonzeit und den dazu passenden Geschichten Weisheit daraus ziehen. Denn die besten, die wichtigsten Geschichten erzählt immer das Leben selbst.
xo
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