Ab Mai beginnt bei mir oft die Sammelzeit für verschiedene Kräuter. Ich kann in Büchern lesen, Videos schauen oder von anderen davon berichtet bekommen, aber um eine Pflanze so richtig kennenzulernen und wahrzunehmen, brauche ich den direkten Kontakt zu ihr.
Es ist ein bisschen so, wie man eben auch Leute kennenlernt: erst begegnet man sich vielleicht flüchtig oder man hat schon viel von ihm oder ihr gehört. Manchmal trifft man auch ganz und gar unerwartet auf jemanden, der einem nicht mehr aus dem Kopf geht, spontan hilft oder einen wichtigen Hinweis gibt.
Dieses Jahr war es bei mir zum Beispiel das Hirtentäschel, welches ich dieses Jahr so richtig kennenlernte.
Meine Schwester zeigte mir schon als Kind, dass man die Taschen wegnaschen kann. In der Mittelstufe zeichneten wir es sogar im Biologieunterricht. Dann habe ich es jahrelang nicht weiter beachtet. Es gab zu viele andere interessante Kräuter. Nun habe ich aber anhand meiner Bücher (ein paar davon habe ich hier benannt) eine kleine Liste mit Pflanzen erstellt, welche ich gern immer getrocknet im Haus hätte als Naturapotheke. Dort war es aufgeführt als Helfer gegen Nasenbluten, welches mich öfter mal trifft. Außerdem ist es auch für Kinder schon verwendbar.
Also ging ich am Sonnentag raus, es auf dem Grundstück zu sammeln.
Es ist zwar eine bekannte Pflanze, aber wenn ich für die Vorratskammer etwas sammle, kontrolliere ich meinen Fund lieber doppelt. Mein gefundenes Kraut sah so aus:

Ich fragte kräuterkundige Bekannte, weil ich zwar schon öfter gesehen habe, dass diese Pflanze manchmal auch solche Schoten hat, aber aus Angst vor Verwechslungsgefahr gab ich nochmal das Bild weiter. Und tatsächlich: statt des blutstillendens Hirtentäschels hatte ich das leicht giftige Kraut Acker-Schmalwand gefunden. Ich dachte tatsächlich lange, dass diese Schoten eine Art Weiterentwicklung der herzförmigen Blätter seien, weil der Rest der Pflanze so ähnlich ist, dass selbst meine Schwiegermama dachte, es wäre das gleiche Kraut.
Egal, wie spannend die Geschichte dazu ist, selten merke ich mir Eigenarten, Namen oder die passende Verwendung, wenn ich nicht selbst mit der Pflanze arbeite. Ausnahme sind die wunderbaren Kräutermärchen von Tegethoff, die ich voller Begeisterung weiterempfehlen kann 🙂
Wenn ich aber ein Kraut erst kenne, bleiben alle Infos fest hängen und ich möchte jedem von den wunderbaren Wirkungen und Eigenschaften diesen neuen Fundes berichten!
Darum möchte ich euch von Herzen empfehlen, ein Kräuterrezept auszusuchen, das euch richtig begeistert und die dazu notwendigen Pflanzen am Heimatort zu finden, zu begrüßen und zu sammeln. Dadurch geht’s ins Gedächtnis. Ich finde Teemischungen aktuell total Klasse, die Gartenbini will unbedingt Salbe machen. Auch mein erster Versuch mit Waldmeister-Sirup war spannend. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten! Ihr könnt die Pflanzen z.B. trocknen und rebeln, das ist ein wundervoller Geruch!
Wofür auch immer ihr euch entscheidet, genießt die schöne Maizeit mit all den duftenden Kräutern und ersten Gemüsen und austreibenden Bäumen!

Mit sonnigen Gedanken aus dem Garten,
eure Helena 💙
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