FamilienNatur

Erdverbunden?

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Erinnert ihr euch noch an mein kleines Mikroplastik-Beet? Dort habe ich euch von der Komposterde erzählt, die so voller Scherben und Müll ist. Da gab es nichts zu beschönigen! Als ich den großen Haufen Erde zum ersten mal sah, glitzerte er im Sonnenlicht. So viele Scherben gab es, die reflektieren konnten.

Ich habe euch hier nicht den Recyclinghof genannt, auf dem das passierte, aber ich war vorgestern wieder dort. Ich brauchte neue Erde für den neuen Garten. Da ich keine Geräte in den Baumärkten ausleihen konnte (es ist für Monate alles ausgebucht), wollte ich Kompostbeete anlegen, wie man sie auf Youtube zuhauf findet. Saubere, von allen Kleberesten befreite Pappen auslegen, 10cm Komposterde drauf, lossäen. Wenn genug Pappen und die Möglichkeit zum Erde holen besteht, ist das eine superschnelle und einfache Lösung! Ich hab auch skeptische Berichte gelesen und gehört, aber nun wollte ich es – weil mir auch nicht viele Alternativen blieben – auch mal ausprobieren.

Ein neues Beet entsteht in nur einem Tag. Nur wenige Stunden vor diesem Bild kam der Kompost an seinen Platz.

Zurück zum Wertstoffhof. Ich fuhr hin, hoffend, dass die Erde nun besser aussah. Und weil ich überzeugt bin, dass Dinge nur besser werden können, wenn man sie anspricht, sprach ich es bei der Anmeldung an. Sagte, dass bei mir wirklich viel Müll war und das mit Kind nicht gerade schön ist. Ja, sagte sie, das stimmt. Sie versuchen ja im Prozess, alle Materialien zu zerkleinern und es wird auch fleißig gesiebt. Aber dadurch fallen eben die kleingewordenen nichtnatürlichen Stücke auch mit rein. Es wird immer wieder versucht, über Kampagnen und Werbung zum sauberen Mülltrennen zu bewegen. Nach dem Motto: was ihr reingebt, bekommt ihr als gutes Produkt dann auch wieder raus. Mehr können sie nicht machen. Das war die ganze Antwort.

An der Sache gab es meiner Sicht nach allerdings zwei entscheidende Probleme:

Erstens wissen noch immer viele Leute gar nicht, dass sie auf Wertstoffhöfen Kompost für ihre Gärten und Terrassen holen können. Ich meine 500kg für 5€! Wenn das mehr Menschen wüssten, würden es auch mehr nutzen. Und dann würden zumindest diese Menschen noch viel mehr über ihre eigene Abfallwirtschaft im Haus nachdenken. Auch wir zuhause waren vorher z.B. nicht besonders aufmerksam bei solchen Kleinigkeiten wie den Aufklebern auf Bananen, die wir regelmäßig im Haus haben. Ja, das landete auch alles in der Erde, die ich gekauft habe.

Das gehört weder in die Erde, noch in Kindernähe! Und doch passierte beides…

Zweitens sind es eben vermutlich weniger die Gärtner und Gärtnerinnen, die Glasflaschen, Alupapier (vermutlich mit den 6-Wochen gereiften Schulbroten drin ^^) oder Plastiktüten in den Biomüll werfen. Ich vermute, dass sind andere Menschen, die sich für die Pflanzenwelt gar nicht interessieren. Vielleicht leben sie in der Stadt? Vielleicht hat ihnen niemand gezeigt, dass Natur mehr ist als Pollenallergien, nasses Wetter und Zecken? Wir wissen es nicht.

Darum braucht es mehr Draußen-Menschen, die anderen zeigen, wie voller Wunder ein Kompost ist, eine Eidechse im eigenen Garten oder der Weg vom winzigen Samenkorn zu einer richtig großen Tomatenpflanze mit so vielen Tomaten dran, dass es zum Nudelsoße kochen reicht.

Besonders der Kompost, die Erde unter unseren Füßen, ist so ein Wunderwerk der Welt.

Pflanzenreste, die wir nicht mehr brauchen, werden zu duftender Erde verarbeitet. In einer Hand voll Erde leben so viele Lebewesen wie es Menschen auf der Erde gibt und wenn man barfuß über nackte Erde geht, werden freie Radikale gebunden und der Körper verliert seine negative Ladung: man wird in wenigen Minuten ausgeglichener. All das kann Erde!

Für mich ist der Kompost – seit ich ihn selbst pflege und verstehen lerne – ein Ort der Zauberei geworden. Ich gebe Pflanzenreste (die zum Teil schimmelig sind) hinein, warte und habe dann das Beste, was eine Gemüsegärtnerin finden kann: reichhaltige, schwarze, duftende Erde!
Unglaublich.
Das gibt mir eine ziemlich große Protion an Ehrfurcht und Faszination für die natürlichen Prozesse der Natur. Es ist so genial. Es gibt nichts, was man loswerden muss, was eklig ist, was Probleme bereitet. Es genügt, vorher gründlich zu überlegen und alles in die Kreisläufe einzufügen statt sich über sie zu erheben.

Und doch ist es für die meisten Nichtgärtner noch immer ein Ort, der gemieden wird. „Der Kompost stinkt doch.“, „Da sind Mäuse.“, „Da geh ich nicht hin!“
Das sind allerdings alles Phänomene, die nur auftreten, wenn man den Kompost nicht richtig pflegt. Es stimmt, da gehört auch einiges an Hintergrundwissen dazu. Um ehrlich zu sein, ist unser Kompost, den ich vor 2 Jahren angelegt habe, auch zur Zeit im schlechten Zustand, weil zu wenig Luft zirkulieren konnte. Da muss ich mich also nochmal hinsetzen und schauen, was ich ändern kann, um den positiven Vorgang wieder zu stärken. Und weil unsere Kultur irgendwie ungerne über „Abfallprodukte“ redet oder nachdenkt, sondern alles gern einfach weg und aus den Augen haben will, widmet man der 2. Hälfte des Kreislaufes der Natur irgendwie viel weniger Engagement. Wenn ich überlege, was viele so für ihre Blumen und Gemüse tun, um vor Schädlingen zu schützen, um sie zum wachsen oder blühen zu bewegen! Genau dieses Engagement gehört auch in die Prozesse, die man nicht sofort sieht, die nach der Ernte geschehen! Auch dort gibt es Erfolge und Misserfolge. Man kann die Erfolge feiern und die Misserfolge nutzen, um tiefer ins Thema einzusteigen. Um noch mehr zu verstehen und neues auszuprobieren. Letztes Jahr hatte ich wunderbare schwarze, duftende Komposterde, dieses Jahr nicht. Was kann ich besser machen? Worauf muss ich achten? Wie kam es dazu?

Das Leben ist ein Kreislauf. Alles in der Natur funktioniert in Kreisläufen. Darum erzähle ich euch alle 6 Wochen etwas über den Rhythmus des Jahreskreises. Alles hat eine helle und dunkle Hälfte, alles verläuft zu einem Teil innen und zu einem Teil außen, alles hat einen Gegenpol. Man kann es leugnen, aber nicht verschwinden lassen. Wenn man sich mit etwas verbinden will, ist es ein guter Rat, sich der dunklen Hälfte genauso zu widmen wie der Sichtbaren. Das gilt bei Menschen, in Gartenkreisläufen und im Jahresverlauf.

In Liebe,
eure Helena ♥

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