FamilienNatur

Die Birke – eine unerwartet vielseitige Pionierin

3–5 Minuten

lesen

Birken werden als Pionierpflanzen bezeichnet und das aus gutem Grund. Wie der Löwenzahn findet sie auf Brachflächen, Schuttplätzen, in alten Ruinen und überhaupt an den unmöglichsten Stellen ihren Ort zum keimen. Ich habe schon welche in Regenrinnen entdeckt! So werden aus alten Betonwüsten langsam aber sicher wieder grüne Orte. Mit ihren sanft schwingenden Ästen und Blättern wirken sie dabei wunderbar beruhigend.

Aus einem verlassenen Hof wird so in wenigen Jahren ein uriger Platz mit angenehmen Schatten, der Bodendecker noch leben und wachsen lässt.

Doch das ist noch lange nicht alles. Birken wachsen schnell und sind damit auch Zeichen für neue Energie. Das klingt ein bisschen esotherisch und soll es auch, aber ich meine damit vor allem, dass es eine gute Pflanze zum entgiften ist. In vielen Detox- und Frühjahrs-Tees werdet ihr also Birkenblätter entdecken. Ich will mich dieses Jahr mehr an Teemischungen versuchen und bin gespannt, was dabei so rauskommt 🙂

Von dem gesamten Baum kann eine ganze Menge genutzt werden. Und im Sinne der Permakultur soll das ja auch so sein! Die Natur kennt sich mit permanenter Kultur eben schon besser und länger aus als wir 😉
Das Holz wird bis heute gern für Möbel verwendet. Die Blätter sind für den Tee nützlich. Und dann gibt es noch den Birkensaft. Besonders für die Haarpflege wird er gern verwendet. Dieser steckt im Inneren des Baumes und kann abgezapft werden. Soweit ich weiß, muss man dafür den Stamm einschneiden oder ein Loch reinschlagen. Dann läuft das sogenannte Birkenwasser von selbst heraus. Ich selbst habe das nie probiert, da ich den Baum nicht verletzen bzw. ihm schaden wollte. Und ich bitte auch euch, darauf zu achten und es nicht halbherzig und ohne erfahrene Anleitung zu tun!

Da ich mein langes Haar aber selbst gerne pflege, habe ich schon seit einigen Jahren ein Rezept* gefunden, das nur die Blätter braucht, aber ebenso ein wunderbares Ergebnis zeigt:

Lange Haare wollen gepflegt werden!

Dafür brauchen wir neben den Birkenblättern (und davon 2 volle Hände) noch 2 EL frische Brennnesselblätter, 1 EL frische Brennnesselwurzel, 1 TL Rosmarin, 5 Tropfen Teebaumöl, 700ml mind. 40vol% Alkohol (z.B. Wodka oder Doppelkorn) und destilliertes Wasser.

Birke, Brennessel und Rosmarin könnt ihr selbst sammeln und das empfehle ich euch auch, denn es macht Spaß, auf die Bäume zu klettern und eine kleine „Mutprobe“ mit den Brennnesseln zu bestehen. Beim Alkohol – ich bereite das Haarwasser immer auf Vorrat zu – empfehle ich euch, auf die Blicke der Kassiererin zu achten, wenn ihr sagt, dass sei nur für die Kräuterküche. Das Teebaumöl ist eine Empfehlung, da es ein wunderbares Mittel gegen Läuse ist. Als Sozialarbeiterin, große Schwester und Mama ist das eine gute, natürliche Abwehr gegen die lästigen Kollegen. Und das destillierte Wasser ist wichtig für die Haltbarkeit (wie auch der Alkohol).

Nun zur Anleitung:
Ihr müsst alle frischen Zutaten waschen und grob zerkleinern, sodass die Säfte austreten. Dann alles mit dem Alkohol bedecken und fest verschließen.

Das ganze muss dann eine ganze Weile stehen bleiben und ziehen. Am besten schüttelt ihr alle paar Tage mal ein wenig, damit die Blätter wieder neu bedeckt sind und nichts schimmeln kann. Ich mache gerne einen Vorrat, der für mich selbst für 1-2 Jahre reicht und noch genug Flaschen zum verschenken lässt. Denn ich finde, die Naturküche sollte immer großzügig geteilt werden. Schließlich hat die Natur ja auch mit uns „geteilt“. 3-4 Flaschen Wodka gehen dafür also drauf. Nehmt darum ruhig den günstigen – er muss ja nicht schmecken.

Nach 3 Wochen bis 2 Monaten (je nach Zeit und Wunsch) muss das ganze dann nochmal durch einen Kaffeefilter oder ein Mulltuch gefiltert werden. In das gefilterte Ergebnis kommt jetzt das Teebaumöl, dann muss es gewogen werden, damit man es im Verhältnis 2:1 mit destilliertem Wasser verdünnen kann (also zum Beispiel 2l Birken-Alkohol mit 1l Wasser mischen). Das ganze in (ich empfehle) kleine Fläschen mit Sprühkopf abfüllen und fertig ist das ganze! Nach dem Haarewaschen ins handtuchfeuchte Haar geben und einmassieren. Eure Haare werden dadurch im Idealfall fester und glänzender. Nach Möglichkeit vor dem Nutzen jeweils kurz aufschütteln.

Durch dieses Rezept habe ich mit der Birke Freundschaft geschlossen und begegne ihr seit dem mit einer neuen Dankbarkeit und Wertschätzung. Und so geht es mir mit vielen Kräutern, Gemüsen, Bäumen und Sträuchern. Im nächsten Pflanzenportrait stelle ich euch eine nächste Pflanzen-Freundin von mir vor. Bleibt also gespannt und genießt die ersten Frühlingsvorboten ! 🙂

*Das Rezept habe ich irgendwann aus dem Internet gefischt. Ich kann euch nicht mehr sagen, woher, aber ich habe es nicht weiter verändert. Für mich funktioniert es gut und ich hab auch positive Rückmeldungen von Beschenkten bekommen. Ich kann aber keine Garantie oder ähnliches dafür übernehmen. Geht mit Rezepten aus dem Internet immer achtsam um und überlegt erst, ob es euch funktional und seriös erscheint. Grade bei Kräuterrezepten (noch wichtiger bei Einkochrezepten!) ist das wichtig!

Hinterlasse einen Kommentar